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Nass, durchgefrohren und mit etwas getrübter Reisestimmung kamen wir am Wochenende in Sydney an. Dem Ziel unserer Reise!
Die letzten zwei Wochen verbrachten wir in den Nationalparks von Queensland und New South Wales. Doch leider spielt das Wetter hier in Australien verrückt. Anstatt angenehme Frühsommertemperaturen, kamen wir in den Genuss von Regen, Hagel und kaltem Südwind. Wenigstens wird uns so das akklimatisieren in der Schweiz leicht fallen...
Doch alles schön langsam.
Superman und Scooby Doo
Nach fast zwei Wochen Strandleben nördlich von Brisbane wollten wir uns noch etwas ins Hinterland in die verschiedenen Nationalparks begeben. Nur wenig südlich von Brisbane stoppten wir bereits nach kurzer Fahrt in unserem als erstes ausgewählten Park. Doch anstatt Bäume, Tiere und Naturschönheiten erwartete uns eine riesenlange Menschenschlange, wilde Achterbahnen und diverse Kinohelden. Zur Abwechslung gönnten wir uns einen Ausflug ins Movie World, einem Vergnügungspark, der ganz im Zeichen der Hollywoodstars gestaltet ist. Die Zahl der guten Bahnen war zwar an einer Hand abzuzählen, die jedoch erfüllten ihren Zweck zur grössten Zufriedenheit. Entweder waren die Bahnen ziemlich wild oder wir uns solche Spässe einfach nicht mehr gewohnt.
Nach diversen Fahrten, geknabertem Popcorn und leichtem Schwindelgefühl fuhren wir nach diesem Tag aber an unser eigentliches Ziel. Den Nationalparks.
Regenwald, Felsen und Nebel
Unser erster Stopp legten wir im Lamington Nationalpark ein. Dieser liegt auf etwa 1000 m.ü.M und dementsprechend sinken die Temperaturen drastisch. Die Wolken, die von der nahen Küste her kommen, verlieren durch das Aufsteigen an den hohen Felswänden viel Feuchtigkeit und so ist hier ein wunderschöner, dichter Regenwald entstanden. Die Felsen stammen von einem früheren Vulkan, der die ganze Gegend mit Gebirgszügen ausgestattet hat. Wir liessen uns von dem schlechten Wetter nicht verstimmen und machten eine Wanderung durch die schöne Vegetation und über viele Aussichtspunkte. Doch die Aussicht zeigte sich uns leider ganz nach dem Motto: "Grau in grau". Umso dankbarer waren wir über die warmen Duschen bei der Campsite und über unsere warmen Schlafsäcke im Zelt.
Da die Wetterprognosen keine Besserung aufzeigten entschlossen wir uns noch weiter ins Landesinnere zu fahren mit der Hoffnung auf etwas trockenere Gebiete. Und wir sollten Recht bekommen. Der Girraween Nationalpark zeigte sich für uns von der besten Seite. Die langen Treckinghosen konnten wieder mit Shorts getauscht werden und die warme Jacke im Auto bleiben. Dieser Nationalpark besteht aus vielen verschiedenen Felsformationen und ist eher trocken und nicht sehr üppig bewachsen. Wir genossen zwei tolle trockene Tage mit wandern und in den Steinen herumklettern. Ein richtiger Bergler kann sich ja den Gipfel trotz steiler Kletterpartie nicht entgehen lassen.
Durch wunderschönes Hinterland fuhren wir weiter südlich wieder dem Regenwald und dementsprechend viel Regen entgegen. Auch hier stoppten wir in wunderschönen Nationalparks, doch irgendwie verliess uns mit dem schlechten Wetter die Motivation fürs Wandern. So fuhren wir direkt, mit einem kleinem Abstecher zu dem besten "Pie-Bäcker", ins Hunter Valley zur grossen Weindegustation.
Shiraz, Simmilion und Verdelho
Das Huntervalley ist das älteste Weingebiet Australiens. Bereits um 1820 wurden hier die ersten Trauben angepflanzt um Wein herzustellen. Mittler weilen sind daraus 140 Weingüter geworden. 120 davon öffnen ihre Türe zur Degustation. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und meldeten uns kurzerhand für eine Halbtagestour an. Wir hofften, so auf etwas speziellere Betriebe zu kommen und etwas mehr über die Hintergründe zu erfahren. Leider war dem aber nicht ganz so und wir besuchten nur ein wirklich guten Betrieb. Daraufhin beschlossen wir, am nächsten Tag auf eigene Faust das Tal zu erforschen. Wir suchten uns einige "kleinere" Betriebe aus die wir der Reihe nach anfuhren. Bereits bei der ersten durften wir feststellen, dass das Degustieren in Australien gratis ist und vor allem für Werbezwecken genutzt wird. So hatten wir Tags zuvor also nur für die Büsslifahrt bezahlen müssen und die war dann mit fast 60.- sFr. schon etwas teuer... Doch wir liessen uns wegen unserer Fehlplanung nicht die Laune verderben und besuchten den ganzen Tag verschiedene Betriebe. Darunter waren auch einige sehr Grosse, welche mit modernen und sehr grossen Degustationsräume aufwarteten. Für uns eine interessante Erfahrung, sind doch die Gegensätze zur Schweiz immens. Die ganze Vermarktung ist Top organisiert und alles wird auf den potenziellen Kunde abgestimmt. Damit ihm die Laune nicht vergeht, steht auch gleich noch ein botanischer Garten, diverse Nobelhotels und Käse- und Olivenfabriken bereit und jedes Jahr gibt es diverse Grossanlässe inmitten der Reben. So wurde letztes Jahr kurzerhand Elton John für ein Konzert eingeflogen. Wir waren beeindruckt vom Hunter Valley und natürlich hats uns ausgezeichnet gefallen. Mit einigen guten Flaschen Wein im Gepäck (hoffentlich schauen die italienischen Zöllner nicht allzu gut nach) verliessen wir nach drei Tagen das Tal.
Fotoshooting in den Blue Mountains
Vor über 250 Millionen Jahren wurden die Blue Mountains durch die Ablagerung von Sedimentgesteine eines riesigen Flusssystems gebildet. Die Dörfer und die besten Aussichtspunkte liegen mit 1000 m.ü. M. für australische Verhältnisse schon sehr hoch und wegen der klaren Luft ist die Gegend ein beliebtes Ausflugsziel der Städter. Den Namen "blue mountains" bekamen sie übrigens, weil aus den Eukalyptusbäumen ständig ein feiner Ölnebel aufsteigt. Dieser Dunst lässt die Berge von Ferne in leichtem Blau erscheinen. Wir hätten sie bei unserer Ankunft wohl eher "grey mountains" genannt. Immer wieder wurden wir von kleinen Regenschauern überrascht und irgendwie waren wir sehr unentschlossen, ob wir wirklich bleiben wollen. Doch der Wetterbericht versprach etwas Besserung und so suchten wir uns ein schönes Plätzchen zum Übernachten. Und wirklich, am nächsten Morgen erwartete uns fast blauer Himmel und so machten wir uns rasch auf zur Erkundungstour. Als erstes wanderten wir durch den "grand canyon" wo wir mit wunderschöner Vegetation belohnt wurden. Der Farn wächst hier fast zwei Meter hoch und man fühlt sich inmitten all dieser Pflanzen wie im Feenland.
Danach ging es zu verschiedenen Plattformen, von wo man spektakuläre Aussichten geniessen kann. Genauso spektakulär waren aber auch all die asiatischen Busstouristen welche sich beim grössten Lockout geradezu versammeln. Unsere Aufmerksamkeit lag ganz klar bei den Touristen und nicht bei der Aussicht. Aber das Vergnügen war ganz auf unserer Seite. Ist das wichtigste doch möglichst viele Fotos zu schiessen. Auf die Qualität wird wohl weniger Wert gelegt. Umso mehr Bedeutung hat die Pose der fotografierten Person. Einmal Kussmund, dann einbeinig von der rechten Seite und weils so schön aussieht auch gleich noch von der Linken. Und natürlich dürfen all die Gruppen- und Familienfotos nicht fehlen. Auch wir versuchten so unsere Fotos etwas aufzuwerten, doch entschieden wir uns danach doch eher wieder zur bewährten Methode. Wollen wir doch eigentlich die Aussicht und nicht uns auf den Fotos.
Nach einer eiskalten Nacht mit Hagelschauer (ein Wunder das es nicht gleich geschneit hat...) waren wir froh, am Sonntag Kurs auf Sydney nehmen zu können. Noch grösser war die Vorfreude, da wir wussten, dass uns ein warmes Haus, ein weiches Bett und in diesem Moment vor allem wichtig, eine warme Dusche erwartete. Wir geniessen wieder einmal tolle Gastfreundschaft bei Rebecca und Andreas, welche mit ihren Kindern hier in der Stadt wohnen. Sie haben wir an der Westküste kennen gelernt und freuten uns natürlich sehr auf ein Wiedersehen. Ebenfalls darf unser Landy in der nächsten Zeit hier Parkrecht geniessen. Für uns geht es nächsten Montag mit dem Flieger nach Tasmanien wo wir den 65 km langen Overland-Track laufen werden. Hoffentlich bei etwas mehr Sonnenschein. Danach stehen noch einige Tage ausspannen in Hobart auf dem Programm bevors wieder zurück nach Sydney geht. Doch dieses Erlebnis kommt dann im nächsten Reisebericht. Momentan geniessen wir noch ein wenig das Citylife und bereiten uns mental langsam auf das baldiges Ende vor...:) |