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Australien vom 25.11. - 14.12.08 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Michael Hermann   
Mittwoch, 17. Dezember 2008
Back in town melden wir uns zum letzten mal aus Australien. Die vergangenen Tage verbrachten wir  vorwiegend  mit der vorstehenden Verschiffung unseres Gefährten. Dazwischen blieb genügend Zeit für die letzten Fotoshootings mit Opernhaus und Harbourbridge. Aber zuerst zu unserem kurzen Ausreiser nach Tasmanian Island.

The Overland Track

The Overland Track, so hiess unser letztes grosses Abenteuer in Australien. Dieser mehrtägige Walkingtrack führte uns ins Herzens Tasmaniens in das riesige von der UNESCO anerkannte Nationalparkgebiet Cradle Mountain - Lake St. Clair. Der Nationalpark ist vorallem durch seine kuriosen Berge, tiefen Schluchten, Seen und wilden Moorlandschaften bekannt. Der Berühmtheit wegen, ist der Park zu einem Mekka für Buschwanderer geworden und wir mussten unsere Startplätze bereits frühzeitig buchen, da in der Hauptsaison nur 50 Personen pro Tag zugelassen sind. Der Track ist 65 km lang. Auf der ganzen Strecke hat es mehrere Hütten verteilt, die nach den einzelnen Tagesettappen gut zu erreichen sind. Sie sind allerdings nicht mit unseren SAC Hütten vergleichbar, sondern nur mit dem nötigsten ausgestattet. So hiess es Kocher, Schlafsack und Matten selber mitzuschleppen. Und da die Hütten meist nur 20 Plätze haben, wird auch geraten ein Zelt zum Campen dabei zu haben.
So starteten wir am Dienstagmorgen vollgepackt (wir trugen so zwischen 16 - 20 lastende Kilos. Beim späteren Austausch mit anderen Wanderer waren wir meistens diejenigen mit den leichtesten Rucksäcken!) unsere Wanderung beim Cradle Mountain. An unserer Seite befanden sich auch Thomas und Martina. Zwei Schweizer, welche wir vor Monaten :) in den Kymberleys angetroffen hatten.

Immer wieder wurden wir auf das tasmanische Wetter aufmerksam gemacht. Sehr "Schweizerisch" könne es manchmal sein, sagten uns australische Experten. Und Schneefall könne auch im Sommer durchwegs der Fall sein. So machten wir uns auf das Schlimmste gefasst.

Wintereinbruch auf Tasmanien

Bereits beim Start erwartete uns leichter Regenschauer und am Fuss des Cradle Mountain auf knapp 1000 m.ü.M. machten wir doch tatsächlich Bekanntschaft mit dem rauhen tasmanischem Wetter. Anstatt Sonnenschein: Schnee, Regen und Temperaturen um die Nullgradgrenze. Der berühmte Cradle Mountain war vollkommen verhüllt in dickstem Nebel.
Wegen der tollen Wetterlagen verzichteten wir auf eine Besteigung und liefen direkt unsere erste Übernachtunshütte an. Und zum Glück waren noch Plätze frei und wir durften unsere Schlafsäcke im Trockenen ausbreiten.

Der zweite Tag stand dem Ersten in nichts nach und wir spürten das kühle Nass auch langsam in unseren Schuhen. War der Weg doch meist auch gleich das Bachbeet...

Das kleine "Schlechtwetterloch" konnten wir an unserem dritten Tag geniessen. War der Wind zwar immer noch empfindlich kalt (Vorteil: man schwitzt beim laufen weniger:), doch blieben unsere Regenjacken doch die meiste Zeit trocken. Diese Gelegenheit wollten wir uns natürlich zu Nutzen machen und nach unserer Ankunft in der Hütte beschlossen wir noch einen "kleinen" Sidetrip zu machen.
Dieser "kleine" Sidetrip führte in etwa 5km auf den Mt. Oekley. Von Anderen in der Hütte wurde uns dazu abgeraten, da der Weg eher ein "Schlammloch" wie ein begehbarerer Weg sei. Ebenfalls hätte man einen ziemlich tiefen Bach zu überqueren. Kein Problem für uns... und so machten wir uns auf den Weg.
Das "Schlammloch" konnten wir grosszügig umlaufen, bekamen dabei aber schon etwas nasse Füsse. Der Bach war dann wirklich ziemlich breit und tief, doch nach längerer Suche, fanden wir eine Stelle wo er passierbar war. So stand einer Besteigung nichts mehr im Wege. Ziemlich steil wand sich der Weg den Berg hinauf. Oben wurden wir aber mit einer wunderbarer Aussicht belohnt und da es unsere letzte und einzige Aussicht bleiben sollte, hatte sich der Aufwand mehr als gelohnt.

Die folgenden Tagen erwarteten uns dann wieder fast durchgehend mit Regen, Wind und Hagel und wir waren immer froh, wenn wir eine trockene Hütte erreichten.

Da die Plätze in den Hütten meist etwas knapp waren, wurde aus der gemütlichen Wanderung manchmal schon eher ein schnelles Wettrennen. Waren wir über jeden der uns überholte verärgert, freuten wir uns dafür über alle die wir überholen konnten. Wenn man um die Mittagszeit in der Hütte ankommt, bevorzugt man es den Nachmittag mit Spielen und Teetrinken zu verbringen. Denn wenn man noch bis zur nächsten Hütte laufen würde (was zeitlich gut machbar wäre) kommt man spät an und kann ziemlich sicher draussen campen. Und das wünschte sich bei diesem Wetter keiner.

So nahmen wir unsere Wanderung gemütlich und es blieb viel Zeit zum plaudern, spielen, Tee trinken und Schuhe trocknen. Auch wenn diese irgendwie nie mehr ganz trocknen wollten.

Nach sechst Tagen waren wir aber dann doch froh, wussten wir, dass in Hobart uns ein warmes, trockenes Guesthousebett erwartet. Nach einer gemütlichen Fahrt mit dem Tassibus waren wir (und wohl auch unsere Mitmenschen) vor allem über die warme Dusche seeehr erfreut.

In Hobart verwöhnten wir uns mit feinem Essen, Souveniers kaufen und Wein- und Bier degustieren von den Strapazen.
Trotz dem schlechten Wetter war es wieder eine tolle Erfahrung mehr die wir machten durften und die Gesellschaft von Thomas und Martina haben wir sehr genossen. Und die Tasmanische Natur ist definitiv eine Reise wert. Bei uns wohl auch eine Zweite...

Sydney, das Ziel

Schon immer war Sydney unser endgültiges Reiseziel. Bereits vor unserer Tasmanienreise haben wir die Metropole schon einwenig kennengelernt. Aber nicht genug. Deshalb quartierten wir uns für die letzten paar Tage in einem Hostel ein.
Nachdem unser Auto im Container fixiert wurde genossen wir nochmals zwei Tage bei schönstem Sommerwetter in der City.
Endlich gabs ein Foto mit blauem Himmel vom Operenhaus und die feinen Gelatis wurden am Hafenbecken geschleckt. Als Kröhnung verbrachten wir unseren letzten Mittag mit Champagner und Chips auf der Parkwiese mit direktem Blick auf die Sehenswürdigkeiten.

Morgen geht es Richtung Flughafen und wir freuen uns nochmals auf unseres letztes kleines Abenteuer: Hong Kong.

Alles Big aber im Kleinen fehlts...

In 5 Monaten haben wir in diesem Land 17 000 km zurück gelegt. In den letzten Tagen machte ich mir für diesen Reisebericht immer wieder Gedanken, unsere Erlebnisse in Australien zusammenzufassen.
Ein junges Land auf der Suche nach einer Identität, kommt mir als erstes in den Sinn. Wer darf sich eigentlich Aussie nennen? In unserem Reiseführer steht geschrieben, dass sie sich an den Anzahl Generationen ihrer Familie messen. Ja sie seien sogar stolz darauf, einwenig "Sträflingsblut" in sich zu haben. Aber viel haben wir von der uralten Einwanderungswelle nicht mehr gespürt. Durch "everybody from everywehre" hat die Nation vielmehr einen multikulturellen Charakter. Nebst den ursprünglichen englischen Einwandern kommen viele andere Nationalitäten hinzu, was zu sehr unterschiedlicher Tradition und Kultur führt. "Von allem ein bisschen und doch nichts Richtig". Oder "alles miteinander verbinden und dadurch das Gehabte verlieren".  
Irgendwie konnte uns diese Art von Lifestyle nie wirklich begeistern. Die einzige Urkultur, welche uns sehr fasziniert hat, ist deren der Aborigines. Doch diese Minderheit, welche heute noch vielerorts um ihre Anerkennung kämpft, befindet sich in einem grausamen Teufelskreis und ihr uraltes Dasein gleitet in eine unsichere Zukunft hinüber. Zu gross war die Konfrontation mit der modernen Welt mit der sie nicht fertig geworden sind.
Erstaunlich: der momentane Ministerpräsident war der Erste, der sich öffentlich für die Fehler der Regierung im Fall der Aborigines entschuldigt hatte. Und dies im Jahr 2008.
Doch eine Lösung ist noch lange nicht in Sicht und immer mehr geht diese Urkultur verloren. Wie lange wird es sie wohl noch geben?

Nicht die Städte, sondern australiens Outback hat uns fasziniert. Zum einen die Naturschönheit mit ihren Landschaften und tielweise komischen Tieren, oder die Menschen die völlig isoliert und in grösster Einsamkeit ihr Leben meistern.
So haben wir die  meiste Zeit unseres Australientrips irgendwo im Nirdendwo verbracht. Die Bilanz: Von unseren gefahrenen 17 384 km fuhren wir 5 250 km Offroad. Vom dichtem Regenwald bis zur trockenen Wüste, vom weissen Sandstrand zu den roten Felsen im Zentrum, lernten wir die zum Teil sehr rauhe und einsame Landschaft kennen und lieben. Dazu natürlich all die Känghurus, Koalas, Schildkröten, Krokodile, Dingos, Kamele, Woombats... immer wieder durften wir aus nächster Nähe wilde Tiere beobachen. Und alle Arten haben wir noch lange nicht gesehen. Unvergesslich!!!

Mit unterschiedlichen Gefühlen verabschieden wir uns von diesem Kontinent. Wunderschön und doch nachdenklich sind unsere Erinnerungen an die letzte Monaten. Nicht unser absolutes Traumland, und doch bestimmt wieder eine Reise wert.

Thank you Australia!

Back to real Life

"Zurück zum realen Leben", so wurden wir immer wieder darauf aufmerksam gemacht, wenn wir den Leuten erklärten, dass unsere Reise bald zu Ende geht. Nun geht es langsam zurück und unsere Gedanken kreisen sich nur noch um unsere Ankunft daheim, denn "Back in Real Life" ist nicht mehr weit weg. Wie wird sich wohl unsere Zukunft vorallem mit Arbeitsstelle und der Suche nach einer Wohnung entwickeln? Wie hat sich wohl die Umwelt um uns verändert? Die Nervosität steigert sich langsam an, wie vor 1 1/2 Jahren vor unserer Abreise. Wir sind gespannt und freuen uns riesig auf das Wiedersehen mit unseren Familien und Freunden und natürlich auf die kleine Schweiz.

Bis bald daheim.

Australien - die Statistik

Australien vom: 10.07. - 17.12.2008
Anzahl Tage: 160
Gefahrene km: 17 384 km
Kosten pro Tag: ca. sFr. 94.60
Highlights: Mount Augustus, Kymberleys, Bungle Bungles (und überhaupt ganz Westaustralien), French Line, The Overland Track, Fraser Island, Meat Pie, Fisch & Chips, Wein aus dem Hunter Valley und Käse aus Tasmanien, und natürlich VB
Flops: Vegemite, Royal Nationalpark, überteuerte Hostels und schlechter Service, Verbots- und Hinweisetafeln und da waren einmal ganz viele "beans"!




 
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